Onshore Wind – der Konsolidierungstrend hat eingesetz

10. Oktober 2017

von Dr. Thomas Gabelmann, Partner bei HKCF Corporate Finance GmbH

Die Ergebnisse der ersten beiden Auktionsrunden für deutsche Windprojekte haben konservative Erwartungen bestätigt. Mit durchschnittlich 5,71 bzw. 4,28 ct/kWh bei deutlicher Überzeichnung des ausgeschriebenen Volumens sind Zuschlagswerte am untersten Rand der Erwartungen zustande gekommen. Eine darauf aufsetzende ehrliche Analyse muss, auch wenn man Verzerrungseffekte durch Bürgerenergiegesellschaften berücksichtigt, nüchtern für die Eigentümer von Projektrechten ausfallen. Prompt steigt die Bereitschaft zur Kooperation.

In den vergangenen Monaten weisen einige M&A-Transaktionen, bei denen Energieversorgungsunternehmen unabhängige Projektierungsunternehmen übernommen haben, einen klaren Trend auf: kleinere bis mittlere Windprojektierer wollen oder können sich den veränderten regulatorischen Anforderungen im Auktionsverfahren nicht mehr stellen. So erwarben im Juni und Juli 2017 kurz nacheinander swb und EWE die Firmen Gewi regenerative Energie bzw. TurboWind jeweils zu 100 Prozent.

In beiden Fällen lag für die Erwerber die gleiche Zielsetzung vor: der eigenen strategischen Positionierung im Geschäftsfeld Erneuerbare Energien folgend wurden weitere Projektrechte und Dienstleistungsbereiche hinzugekauft. Waren solche Transaktionen lange Zeit nicht wirklich wertsteigernd möglich, haben die neuen Marktbedingungen dazu geführt, dass auf der Ebene der Gesellschafter und Gründer von Projektierungsunternehmen Veräußerungsbereitschaft eintritt. In vergleichbarer Art und Weise hat sich im September 2017 enercity an der Ventotec-Gruppe beteiligt, zu der auch die Betriebsführungsgesellschaft ITEC mit einem großen Kundenportfolio gehört.
Eine interessante, andere Variante der strategischen Stärkung hat der Projektierer ENOVA gewählt: hier wurde eine Kapitalpartnerschaft zum Aufbau eines eigenen IPP gewählt, in diesem Fall mit der HANSAINVEST. Dieses Beispiel zeigt vor allem ein weiterhin gegebenes Interesse von Finanzinvestoren im Markt auf.

Dabei ist der Erwerb von Projektrechten, also insbes. noch nicht bezuschlagten Projekten, eine Herausforderung. Es sind marktgerechte Kostenstrukturen zu schaffen, die eine Bezuschlagung wahrscheinlich machen. Dafür ist die Wertschöpfungskette in der Realisierung von Windparks neu aufzustellen: vom Verpächter bis zum Turbinenlieferant müssen erhebliche Zugeständnisse gemacht werden, damit die Investitionsausgaben gesenkt werden können. Es rücken aber auch die Betriebskosten immer stärker in den Vordergrund, bei denen Renditepotenziale durch veränderte Wartungsstrategien gehoben werden müssen.

Insofern richtet sich das Erwerbsinteresse zunehmend auf Aktivitäten in den unterschiedlichen Dienstleistungsbereichen des Windmarkts, weil diese eine höhere Nachhaltigkeit gegenüber dem Projektierungsgeschäft versprechen und einen wesentlichen Hebel zur Optimierung der Betriebskosten darstellen.

Auch hier sind bereits wegweisende M&A-Transaktionen umgesetzt worden: so hat beispielsweise EnBW im Oktober 2016 den herstellerunabhängigen O&M-Dienstleister CWS übernommen, im Juni 2017 erwarb EDF Energie Nouvelles bzw. ihre O&M-Beteiligungsgesellschaft Reetec den Offshore-Dienstleister OWS. Diese Erwerbstransaktionen ermöglichen für die Käufer eine wesentliche Erweiterung der bisher angebotenen Dienstleistungen und vertiefen somit deren Wertschöpfung in erfolgskritischen Bereichen in der Windbranche.

Die gewählten Beispiele verdeutlichen zweierlei: zum einen kommt die Windbranche strukturell in Bewegung, weil Kostenführerschaft nunmehr zu einem zentralen Erfolgsfaktor wird. Dies stellt für Marktteilnehmer, die sich nachhaltig ausrichten wollen, eine echte Chance zur Vergrößerung und Verbreiterung dar. Zum anderen wird aber auch eine Konsolidierung einsetzen, die – den gestiegenen Risiken der Geschäftsmodelle entsprechend – zu einer insgesamt robusteren Aufstellung der Marktakteure führt. Damit besteht für die Energiewirtschaft die Chance, wesentliche Teile der Windbranche, die sich über Jahre hinweg außerhalb der Energiewirtschaft entwickelt haben, wieder näher an sich heranzuführen.
 
Kontakt:
Dr. Thomas Gabelmann               
0221/8002-7428                   
thomas.gabelmann@hkcf.de           
www.hkcf.de
 

In eigener Sache: CO2-Vermeidungsprogamm der con|energy

Wir bei con|energy haben Ende 2016 beschlossen, unseren Beitrag zur Vermeidung von CO2-Emissionen zu leisten.

Neue Möglichkeiten im Contractingmarkt

Die nymoen|strategieberatung gmbh unterstützte bei der Produktentwicklung des ælectra®-Flächenheizsystems

con|energy ag HKCF Corporate Finance GmbH

Warum der Trainer nicht auch gleichzeitig der Schiedsrichter ist

Wenn ein Energieversorger Zugang zu Fremdkapital sucht, geht er normalerweise zu einer Bank. Die Rolle von Banken ist in solchen Situationen zumindest...